OBSTBÄUME
Blühende Wegbegleiter mit fruchtigem Mehrwert
© Daniel Kufner / Wartenberg 2022
Obstbäume wurden in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg entlang vieler Straßen gepflanzt - die letzten Überlebenden aus dieser Zeit sind heute imposante Straßenbäume, die immer noch jeden Frühling blühen und im Spätsommer reiche Frucht tragen.

Für eine zukunftsweisende Straßenbaum-Initiative ist neben der Pflanzung von hitze- und trockenheitsresistenten Baumsorten (z.B. Hainbuche, Feldahorn, Linde, Eiche, Ulme) auch die Pflanzung vieler Obstbäume und Obstbaumreihen sinnvoll.
Dabei können sowohl gezüchtete Hochstamm-Obstsorten wie auch Wildobst zum Einsatz kommen (Wildapfel, Wildbirne, Vogelkirsche oder auch Speierling).
Alter Birnbaum bei Langenpreising
Argumente für mehr Obstbäume entlang von Straßen:

- sie werden nicht so groß und raumgreifend wie „Waldbäume“
- schnittverträglicher, sie bleiben bis ins hohe Alter vital
- hartes, zähes Holz (resistent gegen Sturm und Schädlinge)
- viele Sorten kommen gut mit trockenen, mageren Böden zurecht
- nicht nur während der Blüte sind Obstbäume eine Zierde für die Landschaft (ästhetischer Wert)
- Obstbäume haben außerdem einen hohen ökologischen Wert (z.B. als Bienenweide, Nistraum, Nahrungsquelle)
- fruchtiger Mehrwert für Mensch und Natur in Form von Äpfeln, Birnen, Zwetschgen oder Kirschen
Je älter und bizarrer solche Straßenobstbäume werden, umso mehr bezaubern sie Geist und Seele. Solange es nur irgend geht, sollten sie den Schutz der Straßenbauämter und Baumpflegefirmen genießen. Auch der Pflegeschnitt sollte so sparsam wie möglich ausfallen, damit in der Folge keine unnötigen Wassertriebe entstehen und größere Wunden beim Entasten vermieden werden.
Zwetschgenbaumblüte
Birnen an der Straße - fruchtiger Mehrwert
Altehrwürdiger Straßenbirnbaum / Landkreis ED 2020
Birnbaumblüten an der Staatsstraße
Blühender Birnbaum am Isarkanal / Wartenberg 2020
Alte Einzelbäume können durch die Nachpflanzung von Jungbäumen wieder in Baumreihen verwandelt werden - und Stämme von Bäumen, die aus Altersgründen gefällt werden müssen, können dabei sogar als wertvolles Totholz-Biotop für Insekten erhalten werden, ohne dass die Sicherheit an der Straße gefährdet wäre.
Reaktivierte Obstbaumreihe zwischen Moosburg und Freising / 2021
Reaktivierte Obstbaumreihe zwischen Moosburg und Freising
Alter Apfelbaum an der Strogn (Daniel Kufner 2020)
Alter Apfelbaum
(D. Kufner 2020)
Wildkirschen bei Tittenkofen / LK Erding (Mai 2022)
Wildkirschen bei Reichenkirchen / LK Erding (Juli 2022)
Welche Pracht!
Auch nach vielen Jahrzehnten am Straßenrand blühen die Wildkirschen zwischen Altenerding, Tittenkofen und Reichenkirchen noch jedes Frühjahr prächtig. Wird uns dieser Anblick auch in Zukunft noch vergönnt sein...?!
Und noch eine interessante Beobachtung aus den heißen Sommerwochen im Juli 2022: Obwohl viele Landstriche von der Trockenheit gezeichnet sind, erfreuen die vier verbliebenen Wildkirschen bei Reichenkirchen durch üppig grüne Baumkronen. Kein Zeichen von Altersschwäche ist erkennbar! Sie können noch viele Jahre weiter bestehen - wenn sie nicht der Säge zum Opfer fallen.

Gerade in Zeiten des zunehmenden Klimawandels müssen solche gewachsenen Werte erhalten werden, denn sie spenden Schatten und Sauerstoff, kühlen die Luft und sind durch ihre tief in den Boden dringenden Wurzeln auch in Trockenzeiten resistent.

Unsere Straßenränder müssen wieder mit durchgehenden Baumreihen bepflanzt werden - denn der Schatten, den sie spenden wird in den kommenden Jahrzehnten noch dringend von Nöten sein!
Wenn wir zu lange damit warten, wird es vielleicht kaum mehr möglich sein, junge Bäume bis ins Erwachsenenalter aufzuziehen, weil sie der Trockenheit schon vorher zum Opfer fallen.

Die Politik muss JETZT die nötigen Weichen dafür stellen!!