BAUMBOTSCHAFTEN
Appelle und Kommentare auf Baumscheiben
Nachdem ich mich mehrere Jahre stillschweigend über die salamischeibchenartige Zerstörung gewachsener Werte entlang vertrauter Straßen im Landkreis Erding (und auch anderswo) geärgert habe, hinterlasse ich mittlerweile des öfteren Text-Botschaften auf den kläglichen Resten gefällter Charakterbäume.
Meine Hoffnung ist, dass sich auch andere Passanten von diesen Baumscheiben-Botschaften angesprochen fühlen und sich allmählich ein Bewusstseinswandel in der breiten Öffentlichkeit vollzieht, der Druck auf die Politik erzeugt und Veränderung ermöglicht.
Viele dieser Texte bleiben nur kurze Zeit sichtbar, weil die meisten Baumstümpfe schon bald von der Stockfräse zerkleinert werden - was bleibt, sind nur mehr baumlose Lücken und Leerstellen entlang der Straßen. Hier einige Beispiele aus den letzten Jahren...
© Daniel Kufner / Wartenberg 2022


Entlang der Staatsstraße bei Langenpreising (Landkreis Erding) wurde im Februar 2019 aus nicht mehr ermittelbaren Gründen ein kerngesunder, uralter Birnbaum gefällt, der zum Ausgangspunkt meiner Aktionen wurde: um meinem Ärger über diese sinnlose Fällung einen sichtbaren Ausdruck zu verleihen, hinterließ ich den Text
"DU FEHLST MIR ... SEHR!!!" - anschließend blieb ich den ganzen Sommer über regelmäßig im Kontakt mit den zuständigen Gemeinden, Straßenbauämtern und dem Staatlichen Hochbauamt und forderte wiederholt eine Nachpflanzung.
Im Herbst 2019 wurden an der Birnbaumallee sechs junge Bäumchen der Sorte "Gute Graue" nachgepflanzt, die im nächsten Frühjahr schon blühten. Das Beispiel beweist, dass nachhaltiger Einsatz sich lohnt, aber bis die entstandene Lücke in der Baumreihe geschlossen ist, wird es trotzdem mehrere Jahrzehnte dauern.
Wer's genauer wissen will: hier zum pdf-Download das Kapitel "VIELFALT futsch" aus meinem Buch "WILDE WINKEL in Wartenberg und Umgebung" (Daniel Kufner 2020, ISBN 978-3-00-067243-9)

Blühende Wildkirschen (Prunus avium) an der Landstraße zwischen Erding und Reichenkirchen: Wie lang wird dieser prächtige Anblick noch möglich sein? Jedes Jahr wieder verschwinden einige der letzten Überbleibsel einer gewachsenen Kulturlandschaft ... charakterstarke Straßenbäume, die über Generationen das Landschaftsbild geprägt haben.
An vielen Straßen im Landkreis Erding sind Bäume nur mehr punktuell vorhanden. An manchen Stellen ahnt man noch, dass es hier mal kilometerlange Baumreihen gegeben haben muss. Kurz vor Reichenkirchen stehen vier der letzten Wildkirschen noch annähernd in einer Reihe. Wie lange noch wird es dauern, bis auch sie gefällt sind?!
Nachdem ein weiterer altehrwürdiger Kirschbaum im Winter 2021/22 mit X beschriftet wurde, reagierte ich mit einer spontanen Plakataktion. Daraus wiederum ergab sich eine recht ausführliche Korrespondenz mit dem Landrat sowie dem Staatlichen Hochbauamt Freising, das für die Pflege und Instandhaltung der Bäume an dieser Straße verantwortlich ist.
Ob der Baum nun gefällt werden soll oder der im Frühjahr 2022 erfolgte Auslichtungsschnitt ihm eine längere Lebensdauer beschert, ist noch nicht abschließend zu beantworten ... jedenfalls wär's (mal wieder) "ewig schad" um diesen alten Wegbegleiter, in dem sogar noch Stare in einer natürlichen Baumhöhle brüten.

Dass Straßenbäume viel zu oft gar nicht mehr alt werden dürfen, bevor sie umgeschnitten werden, zeigt dieses Beispiel kurz vor dem Ortseingang von Wartenberg (2022): Die junge Esche war von selbst angeflogen und besaß eine schlanke Wuchsfform und einen sehr harmonischen Kronenaufbau. Sie hätte den Straßenraum und das Landschaftsbild auf Jahrzehnte hinaus prägen können. Der Abstand zur Straße war mit mehr als vier Metern eigentlich optimal.
Trotzdem musste dieser Zukunftsbaum aus unerfindlichen Gründen weichen...?!
"Zu fällen einen schönen Baum braucht's eine halbe Stunde kaum. Zu wachsen, bis man ihn bewundert, braucht er - bedenk es - ein Jahrhundert." (Eugen Roth)